Prof. Dr. med. Andreas Reif
Prof. Dr. med. Andreas Reif ist ein deutscher Psychiater. Seine fachärztliche Weiterbildung absolvierte er am Universitätsklinikum Würzburg, wo er später auch stellvertretender Direktor der Klinik für Psychiatrie wurde. Im Jahr 2014 übernahm er den Lehrstuhl sowie die Leitung der Klinik für Psychiatrie, Psychosomatische Medizin und Psychotherapie am Universitätsklinikum Frankfurt, wo er auch ordentlicher Professor für Psychiatrie ist.
Seine klinischen und wissenschaftlichen Schwerpunkte umfassen affektive Erkrankungen (therapieresistente Depression [TRD], bipolare Störung, Suizidalität), Aggression und ADHS im Erwachsenenalter. Seine Forschung ist translational ausgerichtet und folgt dem Konzept der Präzisionspsychiatrie, also dem Ziel, für eine individuelle Patientin bzw. einen individuellen Patienten zur jeweils passenden Zeit die bestmögliche Therapie zu identifizieren.
Er hat mehr als 675 Originalarbeiten und Übersichtsartikel publiziert, darunter auch in international führenden Fachzeitschriften wie im New England Journal of Medicine, The Lancet und Science, und weist einen h²-Index von 101 auf. Zu den kooperativen Forschungsverbünden, in denen er eine führende Rolle innehat, zählen der Sonderforschungsbereich/Transregio (DFG) zur Neurobiologie der Aggression (TRR/SFB 379) sowie das LOEWE-Zentrum DYNAMIC, das psychische Erkrankungen als Störung dynamischer Netzwerke auf mehreren Ebenen – von der Neurobiologie bis zur Psychopathologie – konzeptualisiert.
Prof. Reif ist ein international renommierter Referent und in mehreren Fachgesellschaften aktiv, insbesondere in der Deutschen Gesellschaft für Psychiatrie und Psychotherapie (DGPPN), deren Vorstandsmitglied er seit 2017 ist, sowie im European College of Neuropsychopharmacology (ECNP), wo er von 2025–2028 Präsident ist. Darüber hinaus ist er an mehreren klinischen Leitlinien und Outreach-Programmen beteiligt.
Spektrum Depression Online-Kongress 2026
Vortrag: Evidenzbasierte Behandlung der therapieresistenten Depression
Die therapie-resistente Depression (TRD) ist üblicherweise definiert als das nicht ausreichende Ansprechen auf zwei medikamentöse antidepressive Therapien von ausreichender Dauer und Dosis; es existieren jedoch auch zahlreiche andere Definitionen. Je nachdem, welche verwendet wird, leidet jeder fünfte bis dritte Patient mit Depression an einer TRD. Es handelt sich also um ein erhebliches gesundheitliches und auch sozio-ökonomisches Problem. Dennoch sind vergleichsweise wenige Behandlungsoptionen verfügbar. Die NVL S3-Leitlinie „Unipolare Depression“ empfiehlt als evidenzbasierte medikamentöse Therapieverfahren entweder die Kombination aus einem SSRI/SNRI/Trizyklikum einerseits und einem präsynaptischen alpha2-Hemmer andererseits; oder eine Augmentation mit Lithium; oder eine Augmentation mit einem Zweitgenerations-Antipsychotikum, von denen allerdings nur Quetiapin in dieser Indikation zugelassen ist.
Eine neue und mittlerweile gut etablierte Behandlungsoption ist die Kombination eines SSRI/SNRI mit intranasalem Esketamin. Die Verwendung von Psychedelika, wie Psilocybin, oder aber Lumateperon könnte in den nächsten Jahren ebenfalls in die klinischen Praxis Eingang finden. Hinsichtlich der neurostimulatorischen Methoden ist mittlerweile die Effektivität der transkraniellen Magnetstimulation gut belegt; bei höheren Graden der Therapieresistenz ist nach wie vor die Elektrokonvulsionstherapie die Methode der Wahl. Eine Kombination mit Psychotherapie wird in allen Fällen von der Leitlinie empfohlen. Der Vortrag wird das differential-diagnostische Vorgehen als auch die oben skizzierten therapeutischen Möglichkeiten im Detail vorstellen und diskutieren.